Presse


Presseartikel vom 31.12.2003

"Pinguine in der Wüste" (Die Zeit)

Artikel aus der Zeitung "Die Zeit"

Es gibt Momente, da blicke ich durch das Dachfenster zum Himmel und sehe die Sterne deutlicher denn je. Ich entdecke den Großen Wagen und möchte am liebsten aufspringen und verreisen. Das Schicksal wäre, so gesehen, von der Gestirnkonstellation bestimmt. Und vielleicht sind die Heiligen Drei Könige zum Wiegenfest des Christusknaben ja deshalb zu spät erschienen, weil sie den Großen Wagen nicht rechtzeitig erreicht haben. Als denkender Mensch möchte man von den Sternen aber nicht allzu viel wissen. Die Astrologie ist eine Glaubensfrage und zudem nicht gerade positiv besetzt. Mit Astrologie verbindet man kaum noch Nostradamus, sondern esoterische Frauen um die 50, die von ihrem Ehemann verlassen wurden und nun mit der besten Freundin über Venus und Uranus plaudern und womöglich dabei in eine Glaskugel blicken.

In so eine Schublade könnte man beim ersten Eindruck auch Kristine Biehl stecken. Sie wohnt in Hamburg-Groß-Borstel und wird in diesem Jahr 47. Sternzeichen Stier, Aszendent Steinbock. Kristine Biehl hat tiefblaue Augen, sie empfängt mich mit dem geheimnisvollen Blick einer Wahrsagerin. Die Bücher in ihren Regalen verraten bereits ihre Berufung: Weltkarten sind zu sehen, Geschichten über den Mondkalender, philosophische Betrachtungen über Himmel und Erde. Kristine Biehl erstellt seit 15 Jahren Horoskope und hat sich dabei auf das Thema Reisen spezialisiert. Neben der astrologischen Ausbildung hat sie ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen. »Die Astro-Weltkarte«, sagt sie, und bittet mich dabei, vor ihrem Schreibtisch Platz zu nehmen, »kann interessante Hinweise bei der Suche nach einem Ort geben, der dem Leben mehr Sinn und Vitalität verleiht.« Reisende lassen sich von ihr den optimalen Urlaubsort berechnen, zudem coacht sie Personalchefs in Unternehmen, um für Filialen im Ausland geeignete Mitarbeiter zu finden. Im Fernsehen (Neun Live) hat sie eine Astrosendung.

 

Ich hatte Kristine Biehl zuvor so gut wie nichts über mein Leben mitgeteilt, genauer gesagt nur den Tag und die Uhrzeit meiner Geburt. Noch sitze ich an diesem stürmischen Wintermorgen gelassen vor ihr. Was könnte der Ort meiner Erfüllung sein? Wie werde ich reagieren, wenn die Sterne für mich schlecht stehen? Wie werde ich später damit umgehen, wenn ich Gesagtes am liebsten doch nicht gehört hätte? Wenn das Horoskop zum Horrorskop wird? Es gibt Worte, mit denen sich Kristine Biehl gleich ins Aus spielen könnte. Zum Beispiel, wenn sie mir Nicaragua oder Taiwan empfiehlt, denn dort wäre ich so fehl am Platz wie ein Pinguin in der Wüste.

 

Während sich auf dem Laptop der Astrologin ein Bild mit der Weltkarte öffnet, schießen mir Bilder von Brasilien, Marokko, Portugal und Kenia durch den Kopf, Länder, die ich regelmäßig bereist habe, die mich sehr faszinieren. Die Weltkarte ist überzogen mit grafischen Linien. Es sind Auf- und Untergangspositionen der Planeten sowie ihre Stellung zum Zeitpunkt meiner Geburt. Kristine Biehl wird mir mithilfe dieser Karte gleich vorhersagen, wie sich mein Leben an bestimmten Orten der Welt verändern könnte. Doch zuvor befasst sie sich mit meinem allgemeinen Horoskop, weil der Lauf der Dinge stets als Ganzes betrachtet werden muss. Sie spricht von Beziehung und Beruf. Natürlich sind das persönliche Dinge, die man zur Wahrung der Intimität nicht in einer Zeitung schreibt. Aber so viel ist klar: Ich würde lügen, wenn ich sagte, Kristine Biehl hätte den Nagel nicht auf den Kopf getroffen.

 

»Venus am Deszendenten, diese Linie geht direkt nach Brasilien. Sie mögen diese Menschen, diese Menschen mögen Sie«, sagt Kristine Biehl. Ich kann ihr nicht widersprechen. Für Gesundheitsreisen (Sonne am Aszendenten) empfiehlt sie mir Indonesien und Australien. Ich war niemals dort, was will man dazu sagen? Zumal die Astrologin bereits bei Neptun ist. Neptun steht für innere Einkehr und spirituelle Entwicklung. Kristine Biehls Zeigefinger zieht über den Bildschirm von Deutschland in den arabischen Raum. »Diese Länder fördern ihre Inspiration und Fantasie.« Wieder ein Treffer!

 

Kristine Biehl kann sich freuen, dass sie im Zeitalter der Kommunikation geboren wurde. Sonst müsste sie nun stundenlang über den Blättern sitzen und wild rumrechnen, wie es vor Hunderten von Jahren die Astrologen taten, bis das Zeitalter der Aufklärung ihre Arbeit infrage stellte. Und ich müsste mich in Geduld üben, was für mich nicht einfach ist, wie die Astrologin ganz richtig feststellt.

 

Ich werde unruhiger. Und ausgerechnet in diesem Augenblick beginnt Kristine Biehl von Kenia zu sprechen. »Kenia«, sagt sie, »ist Ihr Land!« Jupiter stehe dort im MC (Medium Coeli, Himmelsmitte) und Venus im IC (Immum Coeli, Himmelstiefe). Um es kurz zu machen: In Ostafrika könne ich als Schreiber den größten beruflichen Erfolg erreichen, zudem fände ich dort Freude an der Natur und ein bodenständiges Zuhause. Haben Sie etwas mit Kenia zu tun?«, fragt Kristine Biehl. »Ja, ja,«, antworte ich irritiert, und plötzlich sehe ich wieder die faszinierenden Bilder, ich sehe die Canyons am ostafrikanischen Graben, die Gelbfieberakazien und die Autorin und Umweltschützerin Kuki Gallman im Garten ihrer Farm sitzen – gerade vier Monate liegt die Reise zurück.

 

Man könnte das alles als Zufall bezeichnen. Als Kristine Biehl zum Schluss dieser zweistündigen Session, in der mir heiß und kalt wird und ich manchmal eine Gänsehaut bekomme, die Karten legt, möchte ich an einen Zufall nicht mehr glauben. »Sie stehen in Kontakt mit einer Frau«, sagt sie und zögert einen Augenblick, schaut mich bedeutungsschwanger an und fährt fort. »Diese Frau hat ihr Kind verloren.« Pause. »Und sie hat ihren Mann verloren.« – Kuki Gallmans Mann wurde bei einem Autounfall getötet, drei Jahre später starb ihr Sohn, eine Giftschlange hatte ihn gebissen. Mein Herz beginnt zu rasen, und für die nächsten zwei bis fünf Minuten fällt es mir schwer, Kristine Biehl zuzuhören. Fragmente einer Sprache der Sterndeutung dringen in mein Ohr. Mondknoten zum Beispiel, Parane und Geomantie. Kristine Biehl scheint mich zu lesen wie ein Buch. Wo mag das Wissen gespeichert sein, das sie so mir nichts, dir nichts abzurufen vermag?

 

Mit der Frage verlasse ich Groß-Borstel. Abends blicke durchs Dachfenster. Draußen stürmt es. Der Regen prasselt aufs Glas. Kein Stern ist zu sehen. Ich denke an Jim Morrison. Er hat einmal gesagt: Die Zukunft ist ungewiss und das Ende immer nah!

 

Hören Sie diesen Artikel unter http://hoeren.zeit.de

 

(c) DIE ZEIT 31.12.2003 Nr.

 

Interview: Tomas Niederberghaus


Presseartikel vom 01.06.2008

Wie lebt es sich als Astro-Kartographin? (GEO)

Artikel aus der Zeitschrift GEO Special "Magische Orte" 

Der Link: www.geo.de/GEO/reisen/59407.html

Kristine Biehl, Sternzeichen Stier, Aszendent Steinbock, errechnet Reisenden persönliche magische Orte. Sie weiß, wo Venus aus Flitterwochen ein himmlisches Vergnügen macht.

 

Frau Biehl, befinden wir uns für das Interview in Ihrer Wohnung zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Ach, da habe ich gar nicht nachgeschaut. Ich blicke für mich nicht jeden Tag in die Sterne.

 

Und wenn Sie einen Urlaub planen?

Dann schon. Man kennt das ja: Wenn wir reisen, fühlen wir uns an manchen Orten spontan wohl, mögen die Menschen, das Klima. An anderen Orten dagegen erholen wir uns nur schwer oder gar nicht. Die Astro-Kartographie gibt Antworten, weshalb das so ist.

 

...Astro-Kartographie?

Ein uraltes Thema: Hofastrologen zum Beispiel berechneten Herrschern schon vor Jahrtausenden den Lauf der Sterne, warnten vor Naturkatastrophen an bestimmten Orten oder empfahlen günstige Zeiten für Eroberungsfeldzüge. Die Menschen haben eben schon immer in den Himmel geblickt.

 

Sie dagegen schauen auf Ihren Rechner.

Auch wenn sich nur wenige Astrologen mit dem Spezialgebiet der Astro-Kartographie beschäftigen, gibt es für uns mittlerweile Computerprogramme. Um die persönlichen magischen Orte eines Menschen zu bestimmen, brauche ich nur noch Geburtstag, -ort und die Geburtsminute.

 

Aus denen dann auf dem Bildschirm etwas entsteht, das wie der Fluglinienplan einer Airline aussieht.

Genau, das ist Ihre Astro-Weltkarte. Die Linien zeigen die Auf- und Untergangspositionen der Planeten zum Zeitpunkt Ihrer Geburt um 10.57 Uhr, außerdem deren Stellung im Zenit. Jeder Planet drückt eine Bedeutung aus, vergleichbar mit dem Götterhimmel der Antike. Die Venus etwa steht für Liebe, der Uranus für Abenteuer, die Sonne für Lebensfreude.

 

Und welcher Himmelskörper beeinflusst zum Beispiel den Erfolg einer Studien- oder Sprachreise?

Merkur, der Kommunikationsplanet. Schauen Sie, Ihre Merkur-Linie verläuft durch Norwegen.

 

Dort habe ich tatsächlich studiert.

Sehen Sie! Übrigens sollten Sie unbedingt nach Australien reisen: Dort brauchen Sie sich bloß in ein Straßencafé zu setzen und werden wahrscheinlich sofort angeflirtet. Das liegt vor allem an Venus und Jupiter, die für Sie dort in Bezug auf Partnerschaften ganz besonders günstig stehen.

 

Wer nimmt Ihren Reiseservice eigentlich in Anspruch?

Kürzlich kam ein Mann zu mir, der seiner Frau zur Silberhochzeit eine Reise schenken wollte. Aus den Planetenlinien beider Partner ergab sich Mauritius als perfektes Ziel. Aber es kommen nicht nur Urlauber, sondern auch Menschen, die umziehen oder auswandern wollen, Geschäftsleute auf der Suche nach neuen Vertriebsgebieten im Ausland, Spitzensportler, Schauspieler, Politiker. Mit allen reise ich am Rechner um die Welt.

 

Ganz irdisch gefragt: Wie viel kostet das?

Je nach Umfang des Services bis zu 200 Euro. Ist ja auch eine Menge Arbeit.

 

Und an welchen für Sie magischen Orten erholen Sie sich davon?

Auf Hawaii, Kreta, Bali. In Tallinn oder Saigon. Und in Neapel - ich reagiere stark auf die Sonnenlinie.

 

Interview: Barbara Lich

Der Link: www.geo.de/GEO/reisen/59407.html